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ÖDP-Konzept im Hopfenhaus: 100% erneuerbare Energien bis 2030

Dr. Michael Stöhr aus München zeigte Wege ohne Sackgassen auf

Dr. Michael Stöhr, Annette Setzensack und Konrad Pöppel (alle ÖDP)

Foto 1: Die ÖDP-Stadt- und Kreisräte Annette Setzensack und Konrad Pöppel danken Dr. Stöhr (links im Bild) mit einem regionalen Präsent für seinen interessanten Vortrag. (Foto: Martin Altmann)

Einen Experten in Sachen erneuerbare Energien konnte der ÖDP Ortsverband Mainburg am vergangenen Freitag im Hopfenhaus in Steinbach begrüßen: Dr. Michael Stöhr, Landesbeauftragter für Klimaschutz der ÖDP Bayern, arbeitet seit 30 Jahren in der angewandten Forschung und Beratung zu erneuerbaren Energien. Sein eigener Haushalt in einem Genossenschaftshaus in München mit 28 Parteien ist seit 2001 zu 100 % mit erneuerbaren Energien versorgt und in seinem Stadtteil hat er 2 PV-Bürgerbeteiligungsanlagen organisiert.

Schonungslos eröffnete er in seinem ca. einstündigen Vortrag, warum die ÖDP Klimaneutralität und 100 % Versorgung mit erneuerbaren Energien schon 2030 anstrebt: Wir laufen auf eine Situation zu, in der die Gebiete der Erde, in denen die Hälfte der Menschheit lebt, wegen zu großer Hitze unbewohnbar werden. Da die Erwärmung über Land deutlich höher ist als über den Ozeanen, können 1,5 Grad Erwärmung weltweit über Land 3 Grad bedeuten. In Bayern ist die Jahresdurchschnittstemperatur seit 1900 bisher um etwa 2 Grad angestiegen.

Schon die globale Erhöhung der Durchschnittstemperatur (Basis: Mittlere Jahrestemperatur 1850 – 1900) um 1,2 – 1,3 Grad, die wir aktuell haben, kann uns massive Überschwemmungen mit davongespülten Häusern auch entlang der bayerischen Flüsse bescheren. Die Katastrophe im Ahrtal 2021 war ein Vorgeschmack dafür. Um diese Entwicklung nicht nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 67 %, sondern mit deutlich über 90 % zu stoppen und dann umzukehren, tritt die ÖDP für Klimaneutralität und 100 % erneuerbare Energien bis 2030 ein, und für Humusaufbau in den Äckern, angereichert mit nachhaltig gewonnener Pflanzenkohle, die CO2 in großem Umfang dauerhaft binden kann.

Der Weg dorthin ist alles andere als ein Zuckerschlecken und mit vielen Schwierigkeiten verbunden. Wichtig ist es darum, sich dabei nicht in teure und ineffiziente Sackgassen zu verrennen. Sackgassen wären ein Wiedereinstieg in die Atomkraft, eine Verfestigung der Gasnutzung durch weitere teure Gasheizkraftwerke, aber auch eine Nutzung von Wasserstoff und grünem Methan in Gasheizungen und Autos mit Verbrennungsmotor. Wasserstoff wird als Speichermedium und als Ausgangsstoff für grüne Kraft- und Treibstoffe für LKW, Schiffe und Flugzeuge sowie als Grundstoff in der Chemieindustrie benötigt. Er sollte aber sparsam verwendet werden, denn zu seiner Herstellung wird erst einmal eine Menge an erneuerbarem Strom benötigt.

Die grobe Skizze der am schnellsten und kostengünstigsten und im Einklang mit Natur-, Arten-, Landschafts- und Anwohnerschutz umsetzbaren 100 % erneuerbaren Energieversorgung sieht nach fundierten Berechnungen etlicher Studien dann etwa so aus: Fast alle Energie wird zu ungefähr gleichen Teilen in Form von Strom aus Photovoltaik- und Windkraftanlagen gewonnen. Auf nur 2 % der Landesfläche werden Windkraftanlagen errichtet. Hinzukommen Photovoltaikanlagen auf der Freifläche – die können schnell errichtet werden – und auf Gebäuden – dort ist mehr Platz als erforderlich. Solarthermie, Biomasse, Geothermie und Wasserkraft tragen im Mittel nur mit kleineren Beiträgen zur Energieversorgung bei, lokal können sie bedeutend sein. Wärme wird überwiegend mit Wärmepumpen bereitgestellt. Der Mobilitätssektor wird elektrisch. Als Kurzzeitstromspeicher genügen zur Hälfte bidirektional geladene E-Autos, zur Hälfte die aus E-Autos entnommenen gebrauchten Batterien, die stationär mit verringerter Kapazität rund um die Uhr noch dienen können. Zur Langzeitspeicherung dient Wasserstoff und grünes Methan in den vorhandenen Erdgasspeichern.

Im Publikum herrschte Skepsis, ob das so schnell gehen könne. Dr. Stöhr ist zuversichtlich. Ende der 1990er Jahre hat er bei den Bayerischen Solarinitiativen an der Vorbereitung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) mitgearbeitet. Alle Beteiligten waren danach vollkommen überrascht, dass die Geschwindigkeit des Ausbaus der industriellen Produktion und der Kostenrückgang erneuerbaren Stroms selbst ihre kühnsten Erwartungen weit übertrafen. Das gilt es nun zu wiederholen. Beim Wettlauf gegen die Klimaerhitzung gibt es auch nur diese Wahl: 100 % erneuerbare Energien so schnell wie möglich oder in Sackgassen verrennen und noch mehr Zeit verlieren.

Dr. Michael Stöhr während seines Vortrages

Foto 2: Dr. Michael Stöhr während seines Vortrages. (Foto: Annette Setzensack)

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