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Dr. Georg Ohmayer (GWÖ-Koordinator) und Bernd Wimmer (Bundestagsdirektkandidat der ÖDP) unisono:

"Wir brauchen neue Spielregeln für die Wirtschaft!"

von li. nach re. Konrad Pöppel (ÖDP, 3. Bürgermeister der Stadt Mainburg), Dr. Georg Ohmayer (GWÖ-Regionalgruppe Landshut), Bernd Wimmer (ÖDP-Bundestagsdirektkandidat) und Annette Setzensack (ÖDP-Stadträtin). Quelle: Rosi Brunschweiger

Auf Einladung des ÖDP-Bundestagsdirektkandidaten im Stimmkreis 228 Landshut/Kelheim, Bernd Wimmer, hielt Dr. Georg Ohmayer, Koordinator der Regionalgruppe Landshut für Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ), kürzlich im Seidl-Bräu einen interessanten Vortrag. Er ging zunächst auf die Vielzahl von Gründen ein, die eine Transformation unserer Wirtschaft und Gesellschaft notwendig machen. Ohmayer zufolge ist neben den Bedrohungen Klimawandel, Artenverlust und soziale Spaltung mittlerweile auch eine Abkehr von Grundprinzipien einer Marktwirtschaft zu beklagen. "Gewinne werden privatisiert, Verluste aber vielfach auf die Allgemeinheit abgeschoben und Manager verhandeln zwar nach guten Jahresabschlüssen über Boni, müssten aber konsequenterweise im Alternativfall auch Mali akzeptieren," forderte Ohmayer.

Bundestagsdirektkandidat Bernd Wimmer wies auf Art. 151 (1) der Bayerischen Verfassung hin: „Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl, insbesondere der Gewährleistung eines menschenwürdigen Daseins für alle und der allmählichen Erhöhung der Lebenshaltung aller Volksschichten.“ Diese Gemeinwohlorientierung wird Wimmer zufolge in den Hintergrund gedrängt durch ausufernden Lobbyismus, die einseitige Ausrichtung auf den Zwang zum quantitativen Wirtschaftswachstumszwang und eine immer stärkere Bedrohung sozialer und ökologischer Aspekte unseres Wirtschaftens.

Georg Ohmayer stellte in seinen Ausführungen zum Thema "Neue Spielregeln für die Wirtschaft" die Gemeinwohl-Ökonomie, die im Jahr 2010 von Christian Felber zusammen mit einer Gruppe von Unternehmen gegründet wurde. Grundidee der GWÖ ist, die gesamtwirtschaftliche Zielgröße BIP (BruttoInlandsProdukt) durch ein GWP (GemeinWohlProdukt) zu ersetzen und damit statt Gewinnmaximierung das Wohlbefinden der Menschen als Ziel unseres Wirtschaftens zu definieren.

Dies soll nach GWÖ-Vorstellung dadurch erreicht werden, dass Unternehmen am Jahresende eine Gemeinwohlbilanz erstellen, in der die vier Wertebereiche Menschenwürde, Solidarität/Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit, Transparenz/Mitentscheidung aus der Sicht der fünf Gruppen Lieferanten, Geldgeber, Mitarbeiter, Kunden und gesellschaftliches Umfeld beurteilt und bepunktet werden. Anhand der Gemeinwohlbilanz können Konsumenten erkennen, wie viel einzelne Unternehmen zum Gemeinwohl beitragen. Zudem könnten Unternehmen mit überdurchschnittlich guter Bilanz durch geringere Steuern oder andere Marktvorteile belohnt werden. Ca. 500 Organisationen weltweit haben schon eine solche Gemeinwohlbilanz erstellt, auch sechs Unternehmen in diesem Jahr aus der Region Landshut haben dies getan.

Unserer Wegwerf-Mentalität mit dem bekanntermaßen unnötig hohem Ressourcenverbrauch sollte mit sog. Kreislaufwirtschaft, d.h. mit maximal möglichem Reparatur- und Recycling-Einsatz begegnet werden. Diesbezüglich notwendige Anreize könnten durch die Gemeinwohlbilanz geschaffen werden. "Die ÖDP ist derzeit die einzige Partei, die in ihrem Wahlprogramm das Konzept der GWÖ vollumfänglich unterstützt," so Ohmayer. Bundestagsdirektkandidat Bernd Wimmer erläuterte, dass er sich für die Einführung der Gemeinwohlökonomie auch auf Bundesebene stark machen möchte. "Wir brauchen endlich ein Wirtschaftssystem, das im Einklang mit den Bedürfnissen der Arbeitnehmer und den nur endlich verfügbaren Ressourcen steht," forderte Wimmer. Er kündigte für den Herbst einen Workshop zur GWÖ speziell für Unternehmen aus Mainburg und Umgebung an.