11.11.2017

Phy­si­ka­li­sche Fel­der ver­set­zen Kör­per in Stress­zu­stand und be­las­ten Stoff­wech­sel

Ex­per­te er­läu­tert Ge­fah­ren von elek­tro­ma­gne­ti­schen Wel­len für die Ge­sund­heit

Vorsitzender Martin Altmann (links) und Schriftführer Bernd Wimmer (rechts) vom Kultur- und Förderverein Steinbach konnten den Mediziner Dr. Claus Scheingraber im Hopfenhaus begrüßen. (Foto: Huber)

Artikel aus der Hallertauer Zeitung vom 11.11.2017
von Simone Huber

Mainburg. Obwohl heutzutage praktisch jeder davon betroffen ist, war der Vortrag von Dr. Claus Scheingraber nur sehr mäßig besucht. Die Informationsveranstaltung des Kultur- und Fördervereins „Hopfenhalle“ Steinbach sollte aufklären, in welchem Ausmaß elektromagnetische Wellen, ausgehend von modernen Mobilfunkgeräten, auf den menschlichen Organismus einwirken.

Die moderne Kommunikationstechnik ist ein Massenmarkt, mit dem nicht nur Millionen, sondern Milliarden verdient werden. Das ist möglicherweise ein Grund, weshalb man oft allzu leichtfertig über die gesundheitlichen Auswirkungen moderner Technik hinwegsieht. Denn auch wenn man sie mit dem bloßen Auge nicht sieht – Handys, Smartphones und Mikrowellen senden hochfrequente elektro-physikalische Strahlung aus.

Diese abgestrahlten Schwingungen belasten besonders Menschen mit einer Elektrohypersensitivität. „Je höher die Frequenz eines elektrischen Gerätes ist, umso aggressiver und gefährlicher ist eine Welle einzustufen“, erklärte der Mediziner Dr. Claus Scheingraber. In seiner Person holten sich die Verantwortlichen vom Kultur- und Förderverein einen kompetenten Experten ins Haus, der sein Wissen aus 40 Jahren Forschung an die Zuhörer weitergeben konnte. Als Mediziner stieg er zunächst in die Problematik der umweltbedingten Krankheiten ein.

Diese haben, wie der Experte mit Studien belegte, in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Er nannte erschreckende Zahlen: Bei psychischen Erkrankungen sind es 55 Prozent mehr, Erkrankungen des Nervensystems sind sogar um 111 Prozent angestiegen. Freilich sei nicht alles auf Mobilfunk zurückzuführen. Doch die Frage stelle sich schon, ob nicht ein Zusammenhang besteht. „Das Verlangen der Bürger an jeder Wand mehrere Steckdosen zu haben, hat dazu geführt, dass wir keine feldfreie Wandfläche mehr in Wohngebäuden finden“, so der Experte. Besonders problematisch sei dies in Schlafräumen. „Unser Körper koppelt an diese Felder an und ist so den physikalischen Einflüssen ausgesetzt.“

Eine weitere Belastung für den menschlichen Körper stellten die magnetischen Wechselfelder dar. Aus diesem Grund sollte man die Nähe zu stark stromführenden Leitungen meiden, besonders nachts. Die zellschädigende Wirkung von Mikrowellen wurde laut Dr. Scheingraber anhand von Erythrozyten-Veränderungen und Spermien-Veränderungen demonstriert. Physikalische Felder lösten Erkrankungen zwar nicht selbst aus, aber sie versetzen den Körper in einen Stresszustand. Dieser Stress wirke auf die verschiedensten Stoffwechselvorgänge im Körper. „Die Zellmembranen erfahren eine Ladungsänderung, und wenn diese nicht ausgeglichen wird, ist die Folge eine Änderung der Potenzialverhältnisse in der Zelle.“ Bei anhaltenden Störungen des Zellstoffwechsels erleide der Körper oxidativen und nitrosativen Stress, der wiederum das Immunsystem des Körpers negativ beeinflusse. Auf der Basis langjähriger Stresszustände entstehen laut Experten dann Erkrankungen, die das gesamte medizinische Spektrum erfassen können.

Eine Entwarnung konnte Dr. Scheingraber bei Funkmasten geben. Die Felder von solchen Masten sind demnach dort, wo sich Menschen aufhalten, rund 10 000-mal schwächer als die Strahlung der WLAN-Netze oder Bluetooth-Verbindungen. Freilich wollte der Referent keine generelle Abscheu vor Mobilfunkgeräten provozieren, doch auf verschiedene Effekte auf den menschlichen Organismus sei hingewiesen, da in Zukunft wohl immer mehr Menschen mit Handys telefonieren werden.