„Der Na­tio­nal­park wä­re ei­ne rie­si­ge Chan­ce“

Bund-Na­tur­schutz-Vor­sit­zen­der Kon­rad Pöp­pel will end­lich in Dia­log­pro­zess ein­stei­gen

Artikel aus der Hallertauer Zeitung vom 15.02.2018 (von Harry Bruckmeier):

Konrad Pöppel, Vorsitzender der Ortsgruppe des Bund Naturschutz in Mainburg, ist sich sicher: „Der Nationalpark in den Donauauen wäre für den gesamten Landkreis Kelheim, ja für die ganze Region, eine riesige Chance.“ Deshalb will der Kelheimer ÖDP-Kreisrat nun endlich in den Dialogprozess über das nicht unumstrittene Projekt eines dritten Nationalparks in Bayern einsteigen und glaubt, die Gegner und Skeptiker am Ende mit Argumenten überzeugen zu können.

„Grundsätzlich geht es aus naturschutzfachlicher Sicht doch nicht allein um den Nationalpark, sondern um den Naturschutz in schützenswerten Gebieten“, sagt der Mainburger BN-Sprecher. Dazu führt er an, dass die Auengebiete in den letzten Jahrzehnten die größten Verluste hinnehmen mussten und daher immenser Handlungsbedarf bestehe. „Unsere alpinen Flüsse weisen doch nur noch sehr wenige frei fließende Teilabschnitte auf“, meint er mit einem Blick auf die bayerische Landkarte. Umso mehr sollte man den Erhalt gerade der Donauauen, von denen es nur noch vereinzelte Restbestände gebe, ganz besonders ins Auge fassen.

Nach Überzeugung Pöppels müssen in der Diskussion um den Schutzgebietstyp „Nationalpark“ also naturschutzfachliche Argumente im Vordergrund stehen. Natürlich seien daneben auch Erwägungen zu Finanzen und Arbeitsplätzen von Bedeutung. Der BN-Vertreter ist optimistisch, den gesamten Block der „Freizeitnutzung vor Ort“ bei gutem Willen auf beiden Seiten in einem „ehrlichen Dialogprozess über abgestimmte Nutzungskonzepte und Nutzungsalternativen“ lösen zu können. Dass beide Seiten Abstriche werden machen müssen, dessen ist sich der ÖDP-Politiker bewusst. Aber in einem ist er sich sicher: „Am Ende können bestimmt alle Seiten guten Gewissens zustimmen.“

Sein ganz persönliches Schlüsselerlebnis hatte der Mainburger Pöppel im vergangenen Frühjahr, als er auf einer Wanderung durch die Weltenburger Enge eine wilde Party auf den Inseln des Donaudurchbruchs beobachtete, wo zwei Dutzend Feierwütige mit Booten anlandeten, mit riesigen Lautsprecherboxen die ganze Gegend beschallten, grillten, tranken, Federball spielten und sich auch sonst alles andere als gesittet benahmen. „Neben mir am anderen Ufer stehende Wanderer waren entsetzt darüber, dass so etwas in einem Naturschutzgebiet zugelassen sein soll.“

Zulässig ist so etwas freilich nicht, aber Franziska Jäger als einzige Gebietsbetreuerin steht einem solchen kollektiven Treiben meist machtlos gegenüber. Anders wäre es vielleicht in einem Nationalpark, in dem speziell ausgebildete „Ranger“ ihre Runden drehen und bei solchen Auswüchsen schnell eingreifen und die Regeln durchsetzen. Aber wer zahlt eine solche Truppe? Pöppel: „Wenn es ein Nationalpark wäre natürlich der Freistaat.“

Aber weg von den fünf Prozent der Uneinsichtigen, die es nach Einschätzung Pöppels in Wirklichkeit sind, und hin zu den naturschutzfachlichen Gründen, warum nach seiner festen Überzeugung an einem Nationalpark Donauauen längst kein Weg mehr vorbeiführt. Der BN-Vertreter schwärmt von einem „Hotspot der Artenvielfalt“ in dieser sehr speziellen Art der Flusskulisse mit ihren beeindruckenden Kalksteinformationen und speziellen Waldtypen. „Sollte es mit dem Nationalpark letzten Endes nichts werden, sollten unbedingt andere Schutzgebietstypen für die Weltenburger Enge hinsichtlich ihrer Eignung geprüft werden“, sagt Pöppel und nennt in diesem Zusammenhang den Typ eines „Nationalen Naturmonuments“, mit dem möglicherweise viele Finanzierungslücken zum Überleben einheimischer Arten geschlossen werden könnten.

Dass es zu solchen Szenen wie der besagten wilden Party auf der Donauinsel kommen kann, führt Pöppel nicht zuletzt auf die in den letzten Jahren massiv gestiegenen Besucherzahlen zurück. Abhilfe schaffen kann seiner Ansicht nur eine professionelle Besucherlenkung, wie sie eben ein Nationalpark möglich macht. Dass dabei vielleicht auch das eine oder andere liebgewonnene Freizeitvergnügen gestrichen werden muss, räumt der BN-Sprecher ein. Das müsse aber nicht gleich das Ende des Kanu- oder Klettersports auf bzw. an der Donau bedeuten, betont Pöppel, der selbst Mitglied des Alpenvereins, wenn auch nicht der Kelheimer, sondern der Mainburger Sektion, ist. „An der einen oder anderen Stelle muss man sich halt ein wenig zurücknehmen, es könnten aber auch Alternativen wie zum Beispiel ein Kletterfelsen anderswo in der Nähe geschaffen werden.“

Keine glückliche Rolle spielt nach Auffassung des ÖDP-Kreisrats die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt in der laufenden Debatte. Dass diese Fachbehörde am Landratsamt mit ihrem gesamten Know-how nicht die Federführung für das Kelheimer Gebiet bei dem wichtigsten Naturschutzthema im Freistaat überhaupt übernimmt, ist Pöppel absolut unverständlich. Ihm scheint es vielmehr so, als sei die Fachbehörde vor Ort kaum in die Sache eingebunden. „Von dort würde ich mir zum Beispiel die detaillierten naturschutzfachlichen Fakten, die gesamte Rechtssituation von Verordnungen und Ausnahmegenehmigungen für Naturschutz- und FFH-Gebiete an der Donau sowie die Entwicklung der Menge an Verstößen gegen Schutzbestimmungen wünschen.“ Dass die vorliegenden Daten nicht veröffentlicht werden, macht es nach den Worten des des ÖDP-Politikers für alle Beteiligten nicht gerade leicht, einen fairen Dialogprozess zu führen.

„Verzicht fordert Einsicht. Einsicht braucht Fakten.“ Unter dieser Prämisse will Konrad Pöppel in ein ehrliches Dialogverfahren über einen Nationalpark in den Donauauen einsteigen und ist auch gespannt auf die Argumente der Gegenseite. Neben Landrat Martin Neumeyer (CSU) war der ÖDP-Politiker Ende vergangenen Jahres einer der wenigen Kreisräte, die das Gespräch mit den Demonstranten suchten, die am Rande einer Sitzung des Umweltausschusses vor dem Landratsamt ihrem Unmut über die Nationalparkpläne kundgetan hatten. Die Debatte will der Mainburger BN-Vorsitzende nun fortsetzen und Freizeitnutzer, insbesondere aber eine deutliche Mehrheit der Anwohner der Weltenburger Enge und der Donau für ein solches Projekt gewinnen.

„Bestimmt gibt es viele gemeinsame Interessen, die wir so vielleicht noch gar nicht herausgearbeitet haben.“ Dazu zählt Pöppel im Zusammenhang etwa mit der Fischerei Themen wie die Verbesserung der Wasserqualität, der Gewässerstruktur und der Bedingungen für eine natürliche Fischreproduktion. Er setzt sich aber genauso mit den Argumenten etwa der Kanufahrer oder der Schifffahrt auseinander. Und dem ausgewiesenen Nationalparkgegner und Landtagsabgeordneten Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hält er entgegen, dass die Idee eines Auennationalparks beileibe kein Blödsinn sei und mit Ideologie schon gar nichts zu tun habe. Im Gegenteil: „Nationalparks sind fachlich notwendig, um dem Artensterben in Verantwortung für die Schöpfung etwas entgegenzusetzen.“

Anders als viele Beobachter der bayerischen Politik glaubt Konrad Pöppel nicht, dass mit dem Wechsel auf dem Ministerpräsidentenposten von Horst Seehofer zu Markus Söder (beide CSU) die Nationalparkidee mit einem Schlag vom Tisch ist. „Wir stehen erst am Anfang des Dialogprozesses und den sollten wir unvoreingenommen beginnen. Und nach meiner festen Überzeugung wird es am Ende aller Abwägungen dann sicherlich heißen: Wir sind (Nationalpark-)Landkreis Kelheim!“

ÖDP-Kreisrat und Stadtrat Konrad Pöppel (Foto: Bruckmeier)

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